• Baitcaster bespulen!

    Baitcaster bespulen!

    Besser aufgespult und ohne Backlash!

    Wieso selbst machen?

    Diese Frage haben sich schon einige Angler gestellt. Der nächste Angelladen ist um die Ecke. Dort kann ich in der Wartezeit die Regale inspizieren und mich von tollen Angeboten berieseln lassen. Im Laden jedoch kommt es sehr auf die Erfahrung des Verkäufers an. Das schöne und teure Schnurspulgerät ist nämlich nur so gut wie sein Benutzer. Hinzu kommt, dass nicht jeder Händler eine Spulstation zum Bespulen einer Baitcaster besitzt. Passiert hier ein Fehler, ist der nächste Backlash vorprogrammiert. Vielleicht sogar verlierst du hier ein paar Meter der wertvollen Schnur.

    Wie du deine Baitcaster zu Hause jedes Mal fehlerfrei mit Schnur bespulst erfährst du hier!

    Das Material!

    Links: die Schnur deiner Wahl, Mitte: eine Schere, Rechts: doppelseitiges Klebeband.

    Glücklicherweise musst du dir für zu Hause keine teure Maschine zulegen. Du brauchst lediglich deine leere Baitcaster Rolle, Schnur, in diesem Fall eine 4-fach-Geflochtene, eine Schere und doppelseitiges Klebeband. Dazu noch eine Triggerrute, die du ja sowieso besitzt, und einen Eimer Wasser. Und schon kann es losgehen!

    So kommt die Schnur auf die Rolle!

    Einen Knopf, um die Magnetbremse zu entfernen hat jede Baitcaster.

    Lokalisiere zuerst den kleinen Hebel an der Seitenplatte deiner Baitcaster. Bei dieser Beispielrolle im Bild ist der Hebel mit den entsprechenden Positionen beschriftet. Schiebe den Hebel auf „Open“ oder, falls keine Beschriftung vorhanden ist, schiebe ihn auf die entsprechende Öffnungsposition. Entferne dann die Seitenplatte.

    Das doppelseitige Klebeband ist die einfachste Lösung.

    Nachdem die Magnetbremse entfernt wurde, ziehst du nun die Spule raus. Behalte im Hinterkopf, dass die lange Welle auf der linken Seite auch wieder zuerst in die Baitcaster geführt werden muss. Ein kleines Stück doppelseitiges Klebeband auf der vollen Breite der Spule verhindert ein „Durchrutschen“ der Schnur. Geflochtene Schnüre sind für moderne Spulenkerne zu glatt und finden oft keinen Halt. Der Worst Case wäre eine nicht zu bremsende Schnur im Drill. Das wird durch das Klebeband verhindert. Als Alternative kannst du einige Meter Monofilschnur aufspulen, um dieses Durchdrehen zu verhindern. Es gibt Hersteller, die ihren Spulenkern mit einer Beschichtung überzogen haben, um dieses Problem auch bei geflochtenen Schnüren zu beheben.

    Es gibt unzählige Knoten für die Spule.

    Als Nächstes nimmst du deine Schnur und knotest einen einfachen Schlaufenknoten. Achte hierbei auf eine gewisse Größe der entstandenen Schlaufe. Das macht es einfacher, die Schnur im Nachgang über die Spule zu ziehen. Du siehst hier auch nur eines von unzähligen Beispielen. Jeder Angler hat für jede Situation sein eigenes Schnurportfolio!

    Yeehaw! Wir fangen einen Spulenkern!

    Ziehe die Schnur nun durch die Schlaufe, um ein Lasso zu erhalten. Fertig ist ein einfacher Knoten zum Bespulen der Rolle. Mache dich jedoch auch mit anderen Knoten vertraut, um herauszufinden, welcher dein favorisierter Knoten ist. Vielleicht doch der Arbor Knoten? Oder der Grinner-Spulenknoten?

    Hier ist Fingerspitzengefühl und ein gutes Auge gefragt.

    Führe das Lasso nun durch den Leitring am Handteil deiner Triggerrute und durch den Line-Guide. So wird bei einer Baitcaster die Schnurführung genannt, die dem klassischen Schnurlaufröllchen ähnelt, nur ohne Umlenkung der Schnur. Danach führst du das Lasso aus der Öffnung, die entstanden ist, als du die Magnetbremse entfernt hast.

    Die Zugrichtung des Lassos ist eine Glaubensfrage.

    Jetzt kommt die Spule wieder zum Einsatz. Lege das Lasso über den Spulenkern deiner Baitcaster und ziehe es fest. Da die Schnur jetzt auf dem doppelseitigen Klebeband aufliegt, kann nichts mehr passieren. Wie rum legst du das Lasso? Dazu findest du mehr Meinungen, als du an einem Abend lesen kannst. Manch einer legt es so, dass es in Einholrichtung zugezogen wird, wieder andere legen es so, dass es in Drillrichtung zugezogen wird, wenn der Fisch Schnur nimmt. Ob es wirklich einen Unterschied macht, sei dahin gestellt.

    Wir bringen zusammen was zusammen gehört.

    Jetzt ist es an der Zeit, die Spule wieder in die Baitcaster zu führen. Wir holen aus dem Gedächtnis, dass die lange Welle zuerst eingeführt wird. Montiere nun wieder deine Seitenplatte und stelle den Entriegelungshebel auf „Close“ oder die Schließposition und drehe die Magnetbremse bis zur maximalen Bremskraft.

    Alle Systeme auf Go!

    Deine Sternbremse und die Zentrifugalbremse werden ebenfalls auf maximale Bremskraft eingestellt. Während des Bespulens sollte keinerlei Schnur freigegeben werden, um eine ungleichmäßige Schnurverlegung zu verhindern. Die geschlossene Magnetbremse und Zentrifugalbremse sind nur eine Vorsichtsmaßnahme, um Unachtsamkeit vorzubeugen.

    Die Schnur geht jetzt baden.

    Nun kommt der eingangs erwähnte Wassereimer zum Einsatz. Beim Bespulen deiner Baitcaster wird die Schnurspule anfangen, sich zu drehen. Um ein Überdrehen zu verhindern und um schonmal ein wenig Druck auf die Schnur auszuüben, machst du dir den Wasserwiderstand zunutze. Den Druck brauchst du, um die Schnur gleichmäßig und vor allem eng auf die Rolle zu bekommen. Auch hier gibt es Alternativen. Zum Beispiel kannst du die Schnur durch ein dickes Buch führen, an dessen anderem Ende die Schnurspule herumtänzelt. Ist die Schnur zu locker aufgespult, ist der Backlash nicht weit!

    Mit einer Pirouette durchs Ziel.

    Ist alles bereit, positionierst du deine Triggerrute so, dass der Leitring über dem Wassereimer steht, greifst mit der Hand, die nicht kurbelt, die Schnur, um den Druck nochmals zu erhöhen und beginnst zu kurbeln. Du kannst die Schnur auch durch ein nasses Tuch führen. Die Geschwindigkeit beim Kurbeln hängt von der Übersetzung deiner Baitcaster ab. Hier gilt es, ein Gefühl zu entwickeln, um die richtige Geschwindigkeit zu finden. Ein guter Anfang ist eine Geschwindigkeit von einer Umdrehung pro Sekunde oder weniger. Hier kannst du den letzten Fehler machen! Entspann dich also und nimm dir Zeit!

    Weniger ist mehr. Auch bei der Baitcaster.

    Zum Schluss kannst du die Bremsen wieder komplett auf null drehen, um sie beim Einlagern zu entspannen. Je nach Gewässer, an dem du angelst, kann es sinnvoll sein, die Baitcaster nicht komplett zu bespulen. Das sind keine Weitwurfrollen und ihre Sternbremsen, und die Schnüre halten mehr aus, als man glaubt. Dadurch wird es auf lange Sicht auch günstiger. So bespult gehören unlösbare Backlashes der Vergangenheit an und das Angeln mit der Baitcaster macht deutlich mehr Spaß!